Nachdem unser Besuch sich verabschiedet hat, sind wir am 6. Juli morgens sehr früh in unseren ersehnten Urlaub aufgebrochen. Relativ kurzfristig haben wir uns dazu entschieden, diesen nicht wie ürsprünglich geplant an der Ostküste Kanadas zu verbringen, sondern die Gelegenheit zu nutzen und mit dem Auto bis nach Florida zu fahren. Da die Strecke doch sehr weit ist, wollten wir dies mit einem Roadtrip verbinden und uns war klar, das rentiert sich nur, wenn Dominik 3 Wochen Urlaub am Stück bekommt. Da das mit der Urlaubsplanung in Kanada ein bisschen anders läuft als in Deutschland, wurde unsere Geduld mal wieder auf die Probe gestellt. Ende Mai war dann aber klar, dass es klappt und wir konnten uns in die Planung stürtzen. Unsere Route sah dann wie folgt aus:
Montréal – Washington D.C.: 940 km
Washington D.C. – Charleston/South Carolina: 858 km
Charleston – St. Augustine/Florida: 463 km
St. Augustine – Savannah/Georgia: 304 km
Savannah – Colonial Williamsburg/Virginia: 789 km
Williamsburg – New York: 618 km
New York – Montréal: 596 km
Insgesamt haben wir auf diesem Roadtrip 4568 km in 21 Tagen zurück gelegt.
06.07. – 09.07. Washington D.C.
Gleich zu Beginn unserer Reise hatten wir die größte Teilstrecke zu bewältigen. Daher, und um den Stau an der Grenze zu vermeiden, sind wir sehr früh morgens gestartet. Zum Glück ging unser Plan auf und mit ausreichend Pausen sind wir nach 11 Stunden Fahrt bei unserem Hotel in Washington angekommen. Am Abend haben wir uns auf der Suche nach was leckerem zu Essen dann noch auf den Weg an den Hafen gemacht, der vom Flair her an eine Hafenpromenade am Mittelmeer erinnerte. In den nächsten zwei Tagen wollten wir uns alle bekannten Sehenswürdigkeiten in Washington ansehen. Leider litt Washington gerade unter einer Hitzewelle und bei Temperaturen um die 38°C war das ganz schön anstrengend. So sind wir auch öfter zum Abkühlen in Museen gegangen, die in Washington übrigens meist kostenlos sind. So haben wir z. B. das National Museum of American History und das National Museum of Natural History besucht.

Am zweiten Tag hatten wir Karten, um das Capitol zu besichtigen. Wir hatten Glück und der Kongress war noch nicht in der Sommerpause, so konnten wir bei einer Sitzung zuschauen. Wir haben alle ganz schön gestaunt, als eine Abgeordnete am Ende ihrer Rede ihrer Schwester grüßte und ihr zum Geburtstag gratulierte. Da wir eine Woche zuvor ja erst in Ottawa waren und dort ebenfalls das Parlament besichtigt hatten, war es interessant, beides im Vergleich zu sehen und die Kinder haben viele Fragen über die Unterschiede der politischen Systeme in Deutschland, Kanada und den USA gestellt.

09.07. bis 12.07. Charleston
Dank einer Zwischenübernachtung zwei Stunden südlich von Washington war der Weg nach Charleston nicht mehr ganz so weit. In South Carolina angekommen veränderte sich nicht nur die Vegetation, sondern auch das Klima. Es war zwar nicht mehr ganz so heiß wie in Washington, aber dafür feucht warm, wie es in den Südstaaten so üblich ist. Zum Glück hatte unser Hotel einen Außenpool.

Charleston hat uns in vielerlei Hinsicht überrascht. Wir wussten, dass es dort eine schöne Altstadt geben soll, aber dass sie so groß und so schön ist, haben wir nicht geahnt. Die Strände auf den vorgelagerten Inseln haben uns mit sehr warmen Wasser (30°C) und feinem Sand überzeugt.

Eines der Highlights der gesamten Reise war der Besuch der Boone Hall Plantation. Hier haben wir fast einen ganzen Tag verbracht, da es wirklich viel zu entdecken gab. Es ist eine der wenigen Farmen der Gegend, wo die Sklavenhäuser noch vollständig erhalten sind, da sie aus Ziegeln und nicht wie üblich aus Holz gebaut wurden.

Auf dem Weg nach Florida haben wir dann noch die einzige Teeplantage Nordamerikas besucht und sehr viel Tee probiert.
12.07. bis 20.07. St. Augustine
In Floriada hatten wir ein Appartment in einer Anlage mit Pool über AirBnB gebucht und hatten damit großes Glück! Die Wohnung war sehr schön und extrem gut ausgestattet. Wir fühlten uns hier richtig wohl.
In der Woche in Florida stand vor allem Erholung am Strand im Vordergrund. Das ist hier leicht möglich, denn die Strände in und um St. Augustine sind groß, sehr schön und sauber und das Wasser ist ebenso warm wie in Charleston. Auch die Stadt St. Augustine ist wirklich nett, sie stammt noch aus der Zeit der spanischen Eroberung und hat uns ein wenig an ein Piratennest erinnert.

Zwei größere Ausflüge haben wir dann aber doch unternommen und sie waren beide weitere Highlights der Reise. Wir waren an einer der Clearwater Springs, genauer gesagt im Nationalpark Ginnie Springs. Das Wasser war zwar deutlich kälter als der Atlantik aber dafür wirklich glasklar, und sich auf dem Fluss von Quelle zu Quelle treiben zu lassen und dabei Schildkröten, Adler und Ibisse zu beobachten, war ein besonderes Erlebnis.
Unser zweiter großer Ausflug ging nach Cape Canaveral zum Kennedy Space Center. Dort kann man locker mindestens einen ganzen Tag verbringen und erfährt eine Menge über Raumfahrt.

20.07. bis 22.07. Savannah
Auf dem Weg nach Savannah haben wir einen Abstecher zu einem der größtem Feuchtgebiete der Erde, dem Okefenokee Nationalpark in Georgia, gemacht. Das Sumpfgebiet ist riesig und kann zu Fuß über Holzstege, mit dem Auto, dem Kajak oder mit einer geführten Bootstour erkundet werden. Wir haben uns für die geführte Bootstour entschieden und sind dann noch eine kleine Runde zu Fuß zu einem Aussichtsturm gelaufen. Leider hatten wir einen sehr heißen Tag erwischt und die meisten Alligatoren waren unter Wasser, aber ein paar konnten wir trotzdem sehen.

Savannah selbst ist ebenfalls eine sehr schöne Stadt. Viele der Häuser stammen ebenfalls noch aus der Kolonialzeit und trotzdem ist der Baustil ganz anders als in Charleston oder St. Augustine.

22.07. bis 24.07. Williamsburg
Williamsburg gilt als die Wiege der Kolonie Virginia und ist heute eines der größten Freilichtmuseen Amerikas. Dabei sind aber viele der Häuser noch bewohnt, und daher nicht alle für die Öffentlichkeit zugänglich. Für uns war es ein bisschen ähnlich wie Gamla Linköping in Schweden. Wir haben hier einen ganzen Tag verbracht und fanden es schade, dass die meisten Häuser bereits um 17:00 Uhr schließen, so konnten wir kaum alles sehen.

25.07. bis 27.07. New York
Die letzten Tage unserer Reise haben wir in New York verbracht. Nachdem unser letzter Aufenthalt am ersten Adventwochenende ja leider ziemlich verregnet war, hatten wir diesmal wirklich Glück mit dem Wetter. So nutzten wir die Tage, um die Stadt noch einmal zu erkunden und weitere Ecken zu entdecken.
So haben wir diesmal z. B. eine Tour zu der Freiheitsstatue und Ellis Island gebucht, der ehemaligen Station für Neuankömmlinge aus der ganzen Welt. Leider war es dort überall sehr voll, aber der Blick auf die Stadt war bei dem Traumwetter atemberaubend. Besonders beeindruckend und wirklich berührend war auch der Besuch des 9/11 Museums.

Ein weiterer Höhepunkt dieses New York Besuchs war für die Kinder und mich der Besuch von „Harry Potter and the cursed child“ am Broadway. Dominik hat sich in der Zwischenzeit den Wunsch erfüllt, zu einem Profi – Baseballspiel zu gehen. So kam jeder auf seine Kosten.

Wir sind mittlerweile wieder in Montréal und sehr glücklich und dankbar, dass wir diese Reise so noch machen konnten. Für uns war es die perfekte Mischung zwischen Erholung, Abenteuer und der Möglichkeit neues zu entdecken und zu lernen. Wir haben wirklich viel über die amerikanische Geschichte gelernt und glauben, das Land jetzt ein bisschen besser zu kennen. Während unserer Reise war ja politisch einiges los (das Attentat auf Donald Trump, der Rücktritt Joe Bidens und die Nominierung von Kamala Harris) und so haben wir auch mit den Kindern einige Gespräche über das politsche System geführt und konnten dank unserer Besuche in Washington und Williamsburg wirklich gut anknüpfen.
Auch wenn nicht alle alles toll fanden, was wir unternommen haben, konnten wir mal wieder feststellen, wie sehr es sich lohnt, alle Familienmitglieder in die Planung einer solchen Reise einzubeziehen und unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche zu berücksichtigen. Wir beschäfitgen uns in der Regel alle vier mit dem jeweiligen Reiseziel und schauen, was wir dort unternehmen können. Für eins der Kinder ist es z. B. sehr wichtig, dass es dort „gute Museen“ gibt, während das andere Kind immer weiß, wo es die besten Restaurants und Shoppingmöglichkeiten gibt.
Jetzte genießen wir noch die letzten Wochen hier in Montréal und arbeiten unsere „Noch – ein – letztes – Mal – Liste“ ab, packen und bereiten unsere Rückkehr vor.
Hinterlasse einen Kommentar