In Montréal kommt er spät, aber dafür mit Macht: der Frühling. Nach 6 Monaten Eis und Schnee freuen wir uns jetzt über jedes zarte Grün. Innerhalb von zwei Wochen ist die Natur hier quasi explodiert und es hat alles gleichzeitig angefangen zu blühen: Die Osterglocken, Tulpen und Lilien; Die Forsythien, der Flieder und die Magnolien. Es ist eine wahre Pracht und wenn man durch den botanischen Garten spaziert kann man vermutlich täglich was neues entdecken.


Gefühlt hat der Frühling also erst Ende April so richtig begonnen. Davor waren nicht mal Krokusse zu sehen und alle Bäume noch ohne jedes Grün. Die Monate März und April haben sich für uns eher so angefühlt wie der deutsche Winter, nicht mehr ganz so frostig, aber halt auch noch nicht richtig Frühling.
Trotzdem haben wir natürlich auch in diesen Monaten einiges erlebt und davon wollen wir euch im folgenden ein wenig berichten.
In der ersten Märzwoche hatten die Kinder Spring Break – Ferien und wir waren ein paar Tage zum Skifahren in Lake Placid, im US-Bundesstaat New York. Zu dieser Zeit war es sogar richtig warm und wir glaubten noch, der Frühling kommt jetzt.


Frühling in Quebec heißt auch Erntezeit für Ahornsaft. Die Produktion des Ahornsirups findet nur von Ende Februar bis Mitte April statt, wenn der Saft nach dem Winter in die Bäume einschießt. In dieser Zeit findet man hier überall Cabanes à Sucre, die an den Wochenenden stark besucht sind. Wir haben insgesamt 2 Farmen besucht, wo man die Produktion sehen konnte. Von der richtigen Suche des Baumes über die Ernte bis zum Einkochen des Saftes (noch ganz traditionell über Feuer). Sehr spannend. Ahornsiruptaffys dürfen natürlich nicht fehlen.


Ostern war für uns ganz ungewohnt ruhig. Wir haben es an Ostersonntag aber endlich mal in den deutsch-englischen Gottesdienst der ev. lutherischen Gemeinde Montréal geschafft. Der Gottesdienst war schön, aber die Kirche ist von uns aus wirklich sehr umständlich zu erreichen und ein Besuch dort wird somit wohl die Ausnahme bleiben. Im Anschluss waren wir sehr lecker brunchen. Trotzdem hat uns an diesem Tag das Zusammensein mit der Familie sehr gefehlt und vor allem für die Kinder ist klar: nächstes Jahr werden die Ostereier wieder in Brittas Garten gesucht!

In dieser Zeit haben wir natürlich auch wieder einige Museen besucht. An einer Ausstellung hat Claras Klasse sogar mitgewirkt. Sie haben monatelang an einem tollen Projekt der Stadt Montréal mitgearbeitet, wo es um Städteplanung ging. Das Ergebnis hat uns Clara dann stolz Ende März präsentiert.


Am Ostermontag haben wir den Park Omega besucht. Ein wirklich riesiger Tierpark, der die meisten in Kanada heimischen Tiere beheimatet. Das besondere an diesem Park ist, dass die meisten Tiere sich dort frei bewegen können und dass man mit dem Auto direkt durch den Park fährt.


Drei Tage später hat uns dann der letzte Schneesturm für dieses Jahr überrscht. Die Kinder hatten sogar schulfrei und innerhalb von 12 Stunden ist fast ein halber Meter Schnee gefallen, an diesem 4. April 2024 in Montréal.

Danach war der Winter dann aber entgültig vorbei und nur ein par Tage später konnten wir die Sonnenfinsternis bei fast wolkenlosem Himmel bewundern. Zuvor haben wir noch die Sondervorstellung im Planetarium zu diesem Ereignis besucht und Clara hatte das Thema auch im Unterricht, so dass wir auch theoretisch gut vorbereitet waren.

Auf den folgenden Bilder seht ihr noch ein paar Highlights der letzten Wochen: Claras Schulkonzert, der Besuch der Harlem Globetrotters, ein Tag im Hochseilgarten, die Patisserie im Atwater Market, Fahrradtour durch den Oka – Nationalpark und Sophies Frühlingskonzert mit dem Bläserensemble.

Ihr merkt, uns wird hier nicht langweilig. In letzter Zeit werden wir immer häufiger gefragt, ob wir denn schon wehmütig sind, weil sich die Zeit hier bald zu Ende geht. Nein, wehmütig nicht. Wir sind einfach dankbar, dass wir dieses Jahr zusammen erleben durften und noch dürfen. Wir freuen uns aber sehr auf unser zu Hause und die Menschen, die auf uns warten. Leider werden wir einen Menschen nicht wieder sehen können. Meine (Sabines) Oma ist trotz ihres hohen Alters von 90 Jahren vor 2 Wochen überraschend verstorben. Das ist nicht so leicht, denn wir werden uns an ihrer Beerdigung nicht von ihr verabschieden können, obwohl sie für mich einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben war. Das sind eindeutig die Schattenseiten, wenn man im Ausland wohnt: man ist weit weg und verpasst wichtige Lebensereignisse. Zum Glück war meine Oma so weitsichtig und offen, dass sie vor unserer Abreise klar kommuniziert hat, was wir in einem solchen Fall tun, oder eben nicht tun sollen. Das erleichtert mir die Situation deutlich.
Es gibt aber auch schönes zu berichten: Im Juni werden Oma Heike und Onkel Tobias uns doch noch einmal besuchen. Danach startet für uns ein dreiwöchiger Sommerurlaub, den wir mit einem Roadtrip durch den Osten der USA verbringen werden. Die Kinder haben hier nur noch 4 Wochen Schule, dann starten für sie die superlangen Sommerferien. Für Sophie stehen noch die Examen an, die hier am Ende jedes Schuljahres geschrieben. Ich habe gerade meinen zweiten Englischintensivkurs erfolgreich abgeschlossen und bin mit meinen Fortschritten ganz zufrieden. Dominiks Arbeitsvertrag geht noch bis Anfang September und vermutlich werden wir daher nicht zusammen zurück nach Deutschland reisen. Wann wir aber genau zurück fliegen, wissen wir noch nicht. Geplant ist, zumindest für die Kinder und mich, irgendwas im August.
Bis dahin genießen wir aber noch die Zeit hier in Montréal in vollen Zügen und sammeln weiterhin fleißig Erinnerungen.

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